Therapie bei Erektionsproblemen

Urologe Hermann Steffen

Epidemiologie und Ursachen: Erektile Dysfunktion und Impotenz

Die Erektile Dysfunktion (ED) bezeichnet eine bestehende oder wiederholt auftretende Unfähigkeit, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erlangen und/oder aufrechtzuerhalten. Die Faustregel lautet: Falls in den letzten 6 Monaten über 30–50 % der Versuche, einen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, frustrierend verlaufen sind, wird empfohlen, einen Arzt (Urologen) aufzusuchen.

Umfrageergebnisse in den USA von 1987–1989 (sog. Massachusetts Male Aging Study) haben ergeben, dass über 50 % aller amerikanischen Männer zwischen 40 und 70 Jahren über Erektionsstörungen unterschiedlichen Schweregrades klagten, wobei 34 % dieser Männer schwere oder mäßige Störungen angaben. Erektionsstörungen stellen ein weltweites Problem dar und betreffen meistens hoch entwickelte Industrieländer.

Erektionsstörungen kommen deutlich häufiger bei Diabetikern, Patienten mit hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit, erhöhtem Cholesterin und starkem Nikotinkonsum vor.

Diagnostik bei Erektiler Dysfunktion und Impotenz

Allgemeine Labordiagnostik: Bei allen Männern mit längerfristigen Potenzstörungen sollten die folgenden Blutwerte untersucht werden: Blutfette (Cholesterin und andere) und Blutzuckerwerte (Glucose, HbA1c). Von den Hormonwerten sollte auf jeden Fall der Testosteron- und Prolaktinwert bestimmt werden. Je nach Anamnese und Begleiterkrankungen empfehlen sich noch detailliertere Hormon- und weitere Laboranalysen.

Im Mittelpunkt der urologischen Diagnostik steht der sogenannte Schwellkörperfunktionstest mit vasoaktiven Medikamenten (z.B. Prostaglandin E1 oder Papaverin/Phentolamin).

Bei dieser Untersuchung wird vom Arzt das Medikament in die Schwellkörper des Mannes mit einer sehr dünnen Nadel praktisch schmerzfrei injiziert. Diese Medikamentenspritze führt normalerweise nach 5–10 Minuten zu einer Gliedsteife. In dieser Zeit kann man eine Blutströmung in den zuführenden Penisgefäßen mithilfe einer Duplexultraschalluntersuchung bemessen. Die Blutflusswerte zeigen, ob eine genügende Blutversorgung der Schwellkörper des Penis vorliegt.

Nach Zusammentragen aller Untersuchungsergebnisse werden mit dem Patienten bzw. dem Paar die Ursache und die Behandlungsmöglichkeiten besprochen, um ein individuelles Therapiekonzept zu erarbeiten.


Therapeutische Möglichkeiten

  • Sexuelle Psychotherapie
  • Orale medikamentöse Therapie
  • Schwellkörper­autoinjektionstherapie (SKAT)
  • Intraurethralen Therapie
  • Vakuumpumpen
  • Penisprothesen
  • Stoßwellentherapie
  • Hirudotherapie/­Blutegeltherapie
  • Homöopatische Therapie

Nach der Untersuchung werden bei ca. 30–40 % aller Männer mit Potenzstörung keine relevanten organischen Ursachen gefunden. Deswegen spricht man über Erektionsstörungen, die überwiegend psychische oder funktionelle Ursachen haben. Der Begriff funktionelle (synonym: psychische) Impotenz steht hierbei für eine Reihe von nicht-organischen Störungen der Potenz und Libido:

  • Ständige berufliche oder private Überforderung (Stress)
  • Psychosexuelle Entwicklungsstörungen mit Ursachen in der Kindheit
  • Generelle Beziehungsprobleme
  • Partnerschaftsprobleme
  • Depressionen
  • Religiöse Hemmung
  • Sexuelle Phobien und Abweichungen
  • Versagensängste
  • Sexuelle Hemmung
  • Von denen des Partners abweichende sexuelle Vorlieben
  • Früherer sexueller Missbrauch

Hier gilt es, die verschiedenen Störfaktoren für ein sorgenfreies Liebesleben aufzudecken und aktiv anzugehen. Häufigste Ursache für funktionelle (psychische) Erektionsstörungen sind in unserer Leistungsgesellschaft Stressfaktoren und darauf basierende Versagensängste im Bett. Beide gehen mit einer erhöhten Aktivierung des sympathischen Nervensystems und damit einer erhöhten Ausschüttung von Adrenalin einher. Mit anderen Worten: Sex fordert Energie von Körper und Seele, damit ein ungestörtes Liebesleben möglich ist. Wenn “Mann” täglich 10–12 Stunden arbeitet, womöglich auch noch am Wochenende, ist es nicht verwunderlich, dass “Er” seine Liebesdienste einstellt. Sex erfordert stressfreie Ruhezeiten, dies gilt für “Ihn“ und für “Sie“. Wenn man seine ganze Energie dem Beruf, den Hobbys und anderen Dingen opfert, bleibt für den Sex schlicht und einfach nichts mehr an verfügbarer Energie übrig: “Mann” versagt im Bett, da "Mann" ständig am Limit ist.

Ähnliches gilt übrigens auch für Frauen. Diese können aber nicht “impotent” werden, sie leiden dann an sexueller Unlust, an Erregbarkeitsstörungen oder gar an Dyspareunie (Schmerzen beim Koitus). All die genannten Faktoren, welche eine psychische Impotenz hervorrufen können, lassen sich durch ein oder mehrere Sexualberatungsgespräche und Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten meist deutlich verbessern. Bei Patienten mit in der Psyche verwurzelten Sexual- und Erektionsstörungen ist eine längerfristige Therapie (6–12 Monate) bei einem geschulten und erfahrenen Sexualtherapeuten erforderlich.

Die PDE-5-Hemmer sind die "Könige“ unter den Behandlungsmöglichkeiten der Erektionsstörung. Es gibt inzwischen vier PDE-5-Hemmer: Sildenafil (“Viagra“), Tadalafil (“Cialis“), Vardenafil (“Levitra“) und Avanafil (“Spedra“). Diese unterscheiden sich in verschiedenen Eigenschaften wie Wirkdauer, Selektivität, pharmakologische Wirkstärke, Verträglichkeit etc. Mit den neuen Medikamenten kann der Arzt individuell das richtige Arzneimittel für den Patienten auswählen.

Die Verordnung von PDE-5-Hemmern ist rezeptpflichtig und darf nur nach Gespräch mit dem Arzt erfolgen.

Man muss wissen, dass die PDE-5-Hemmer nur bei einem sexuellen Impuls bei dem Mann eine Peniserektion unterstützen. Das heißt: Durch diese Medikamente werden keine sexuellen Phantasien oder die Libido des Mannes stimuliert.

Medikation von L-Arginin

L-Arginin ist eine natürliche Aminosäure, aus welcher über verschiedene biochemische Zwischenschritte der Erektionsstoff cGMP im Schwellkörper gebildet wird.

L-Arginin ist kein Medikament, sondern einfach Bestandteil unserer täglichen Nahrung. L-Arginin-Präparate sind rezeptfrei in Deutschland in Apotheken oder über das Internet erhältlich.

Die Erfahrungen mit den eigenen Patienten haben gezeigt, dass es bei Patienten mit leichteren Erektionsstörungen durchaus Sinn machen kann, diese Medikation für 1–3 Monate einmal auszuprobieren. Bei schwereren Formen der Impotenz hat sich auch die Kombination von L-Arginin mit PDE-5-Hemmern bewährt.

Die Schwellkörper­autoinjektionstherapie (SKAT) ist als “Spritze in den Penis“ bekannt. Kurz vor dem Sex injiziert sich der Mann ein Medikament in den Penisschwellkörper. Nach etwa 10–25 Minuten wird der Penis steif und Geschlechtsverkehr möglich.

Bei der intraurethralen Therapie wird eine Art längliche Tablette (Pellet) mit einem Applikator in die Harnröhre eingeführt. Spricht der Mann auf das Medikament an, kommt es nach etwa 15 Minuten zur Erektion.

Vakuumpumpen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion sorgen mithilfe eines Glas- oder Plastikzylinders, in den der Penis eingeführt wird, durch Absaugen der Luft für ein Vakuum. Der Unterdruck führt zu einem verstärkten Blutzufluss in die Schwellkörper und damit zu einer Erektion. Ist der Penis ausreichend erigiert, wird zuerst an der Peniswurzel ein Gummiring übergestreift, der einen Blutabfluss verhindert. Anschließend wird der Zylinder entfernt. Nach dem Geschlechtsverkehr wird der Gummiring wieder abgenommen und der Penis erschlafft.

Mit Penisprothesen sind Implantate gemeint, die operativ in den Penis eingesetzt werden und eine künstliche Versteifung des Gliedes ermöglichen. Solche Implantate kommen bei der Behandlung von Erektionsstörungen des Mannes relativ selten (wenn alle anderen Methoden nicht zum Erfolg geführt haben) zum Einsatz.

Eine neue revolutionäre konservative Therapie bei Impotenz stellt die Extrakorporale Stoßwellentherapie des Penis dar.

Die Methode wurde in Israel entwickelt.

Mithilfe einer Stoßwellenmaschine werden hierbei an verschiedenen Applikationsorten des Penis mit einer Sonde niederenergetische Schockwellen in den Schwellkörper gesendet.

Insgesamt werden je nach Methode/Apparat und Schweregrad der Erektionsstörung 4–12 Sitzungen zu je ca. 15–30 Minuten durchgeführt. Bei der Anwendung der Schockwellen kommt es zu einer Verbesserung der Durchblutung der Schwellkörper aufgrund von Bildung neuer kleinster Gefäße.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass diese Methode insbesondere bei Männern mit organischen Erektionsstörungen und insbesondere bei gefäßbedingter Impotenz erfolgversprechend ist und auch langfristig über die Jahre wirksam sein kann.

Dies gilt auch für Patienten mit schwerer organisch bedingter Impotenz, bei denen PDE-5-Hemmer (Viagra, Cialis u. a.) zunächst nicht mehr wirksam waren und diese nach Durchführung der Schockwellentherapie wieder eine Wirkung zeigten und somit Geschlechtsverkehr wieder möglich war.

Der Blutegel (Hirudo medicinalis – Hirudo officinalis), ein schwarzbräunliches, wurmartiges und ca. 3–5 cm langes Tier, sondert beim Biss ein Sekret mit mehreren Wirkstoffen, insbesondere Hirudin ab. Der Effekt der Wirkstoffe ist vielfältig:

  • Gerinnungshemmend, da über mehrere Stunden ein Nachbluten der kleinen Wunden erfolgt
  • Lymphstrombeschleunigend: Aus Blut und Geweben strömt vermehrt Blut, dieses kommt über den Blutabfluss zur Ausscheidung (starke Entgiftungswirkung)
  • Antithrombotisch: Die Thrombenbildung wird deutlich herabgesetzt
  • Immunstimulierend: Der Anreiz der Leukozytenbildung wird über den Blutentzug gleichzeitig induziert
  • Gefäßkrampflösend: Schmerzen und Stauungsgefühl im lokalen Umfeld lassen durch Umstimmung der örtlichen Gefäßfunktion nach.

Die Blutegeltherapie bewirkt bei erektiler Dysfunktion eine deutliche Verbesserung der Erektion, hinzu kommt eine wesentliche Endstauung im Beckenbereich und in den Beinen, eine Verkleinerung der Prostata und eine Erleichterung beim Wasserlassen.

Die Homöopathie ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht.

Nach dem Ähnlichkeits- oder Simile-Prinzip – “similia similibus curentur“ (“Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“) – sollen Krankheiten durch Mittel geheilt werden, die bei einem Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen, wie sie bei dem Kranken beobachtet werden.

Ein weiterer Grundsatz der Homöopathie ist die Verwendung “potenzierter“ Mittel. Unter Potenzierung ist die starke Verdünnung bei gleichzeitiger “Dynamisierung“ (Verschüttelung oder Verreibung) zu verstehen.

In meiner Praxis verwenden wir homöopathische Fertigarzneimittel von dem Hersteller “Heel“. Patienten berichten von steigender Libido, Zunahme der spontanen nächtlichen Erektion, deutlich steigender Bereitschaft zum spontanen Geschlechtsverkehr und einer Verbesserung der körperlichen Belastung.